Was man so Liebe nennt...

               

                Eine Fremdwahrnehmung

 

         Aussichtlos und hoffnungsvoll!!!!!

 Schonungslose Episoden aus dem Geschlechterkampf und Liebesleben

Der Schauspieler und Musiker Oliver Bolten spielt, singt, tobt, filosofiert und  kabarettiert in seinem aktuellen Programm über das, was man so Liebe nennt. Keineswegs will er die Liebenden entmutigen, aber gewarnt kann man sich durchaus fühlen, nach zwei Stunden unbarmherziger Unterhaltung. Der Künstler bricht hier skrupellos jegliche Tabus und schlüpft in die unterschiedlichsten  Rollen vom widerlichsten Macho bis zum sanften Poeten.

 

 

 

Nichts für nervenschwache Heile-Welt-Denker oder andere Illusionisten. Am Ende weiß man nicht so genau, ob man den Kerl nun dafür mögen soll oder nicht. Spielt auch für ihn keine Rolle, denn Oliver Bolten will seinem Publikum nicht schmeicheln. Er will es einfach nur berühren, im Guten wie im Bösen. Was alles schiefgehen kann in den Liebesplanungen eines Menschen erfährt man in dem desaströsen Verlauf eines leidenschaftlichen Picknickausfluges ebenso wie in dem vermeintlich clever eingefädelten Blind-Date eines Möchtergern-Tom Cruise mit drei ahnungslosen Schönheiten. Auch der zweifelhafte Männerstammtisch ist der Verzweiflung nahe, als er erfährt, dass eine der Ehefrauen fest entschlossen scheint, sich seiner Runde anzuschließen. Damit wir nicht vollends die Hoffnung verlieren, überrascht uns der Künstler zwischendurch mit zärtlichen Liebesballaden, die unsere Seelen streicheln. Und weil es einige Szenen gibt, in denen er sich selbst zum Glück nicht richtig ernst nimmt, traut sich auch das Publikum, den eigenen Gefühlen immer wieder mit ausgiebigem Gelächter Luft zu machen. Die Pointen sind einfach zu witzig, um sie ignorieren zu können. Dass Oliver Bolten seine Texte nicht nur vorträgt, sondern größtenteils wirklich spielt, unterscheidet ihn von vielen „standhaften“ Komödianten. Wer zum Schluss immer noch misstrauisch ist, wird mit einer vollkommen ohne Musik, aber schauspielerisch wunderschön dargebotenen Ballade des französischen Dichters Francois Villon versöhnt. Ein kluger Abgang des Künstlers. Vielleicht auf Empfehlung einer Frau?