Boltens Villon / Ballade in welcher Villon seine Mitmenschen um Verzeihung bittet

Boltens Villon / Ballade in welcher Villon
seine Mitmenschen um Verzeihung bittet

 


Ich war Villon
Mit Vornamen Francois
Et voilà! Hört meine Lästerzunge
Getragen durch die Luft aus meiner Lunge
Einmal für heute neu belebt
Und höchstens haltbar bis ihr nachher geht


Tja, was ich sagte, schrie und schrieb
Reimt sich nur auf vergangener Zeiten Mist
Nicht anders als die Fürsten, die ich einst verspottet
Ist längst das Lästermaul verrottet
Francois ist tot und man vermisst
Francois, der weder tot noch ein Franzose ist


Die Menschheit scheint nun fortgeschritten
Fünfhundert Jahre bei wachsender Geschwindigkeit
Nur selten wird in diesem Lande noch ein Poet
Unhöfelich am Halse umgedreht
Und auch in Frankreich soll's inzwischen besser sein
Denn man verzeiht mir allzu gerne
meine Dreistigkeit.

Die dicken Fresser in Kamelhaar-Kutten
Die frommen Nonnen und die Kardinäle
Mit ihren parfümierten Luxusnutten
Minister, Mamelucken und die Generäle
Mit Blech verklebt vom Nabel bis zum Ohr
Eventuell auch noch der königliche Mohr
Das alte Schwein
Sie mögen mir mein Lästermaul verzeihn.

Die Mädchen auch, die ihre weißen Äpfel springen lassen
Damit die Männer nach dem Ding noch schärfer werden
Die Gaunerhände, die in fremde Taschen fassen
Piraten, Feuerfresser und Zigeunerherden
Proleten, die verbraucht am Zaun krepieren
Auch der Kretin, der krumm auf allen Vieren
Sich vollsäuft mit Champagnerwein
Sie mögen mir mein Missgeschick verzeihn.

Nur der verdammte Bürgermeister nicht
Dem spuck ich lieber drei mal ins Gesicht,
Der hat mich um den letzten Bissen Brot
Betrogen und bis aufs Hemd ausgenommen.
Der soll mir bloß nicht in die Quere kommen
Den schlag ich mausetot
Dass hier im Loch nicht er, sondern ich muss sein
Das wird er mir wohl verzeihn.

Auch diese Herren vom Gericht, die mag ich einfach nicht,
Da hocken sie mit einem steinernen Gesicht
Auf ihrem Paragraphenthron
Und brennen jedem, der nicht blecht
Ein Schandmal auf die Stirn. Sie werden ihren Lohn
Bald kriegen für das hin- und hergebogne Recht
Dass ich bei dieser Jagd der Hauptmann werde sein,
Das werden sie mir wohl verzeihn.


Man schlag dem ganzen Lumpenpack
Das Maul mit einem Hammer kurz und klein
Was übrig bleibt, das wäscht der Regen mir vom Frack
Ich bin Villon! Das braucht mir niemand zu verzeihn
Das braucht mir niemand zu verzeihn.