Ballade von dem Mäuslein, das in Villons Zelle Junge bekam

Ballade von dem Mäuslein, das in Villons Zelle Junge bekam

 


Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein
Weil er da draußen so allein
Bei den entlaubten Bäumen stand
Ich habe ihm ein Kissen hingerückt
Damit er ruhen konnte, und er tats beglückt
Sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand
Schnell auf die Augen, und da schlief er auch
Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch

Sie plagte mich, bis eine Uhr schon zwölfe schlug
Da hatte ich verdammt noch mal genug
Und ließ sie ab, die Luft. Davon ist zwar
Der Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck
Die Mäusefrau. Sie hat im ersten Schreck
Geboren, was noch gar nicht gar nicht fällig war
Die kleinen rosa Schnauzen piepsten da so nett
Dass ich sie zu mir nahm ins warme Bett

Mein Gott, die kleinen Dinger, noch ganz nackt
Und blind. Wie hat das Elend mich gepackt
Ich glaub, dass mir was Nasses in die Augen kam
Dabei hat manches Mädchen schon von mir
Ein Kind gekriegt und starb vor Scham
Die armen Würmer aber kuschten sich
In meine Hand hinein, als wäre ich ihr Vater Mäuserich.

Zuletzt war auch die Mäusefrau so zahm
Geworden, dass sie schwänzelnd zu mir kam.
Die schwarzen Augen glänzten froh und groß
In mein Gesicht hinein
Und plötzlich war ich auch so mäuseklein
Wie dieses Tier und nahm es in den Schoß
Ich habe wohl die ganze Nacht mit ihr verbracht
Und an kein andres Weib dabei gedacht.